Friday, October 07, 2005

Good Morning America ...

Wie sich die Tage doch gleichen: Monday, Tuesday, ..., Thursday, ... täglich grüßt das Murmeltier! Mit Schlaf in den Augen schleppt man sich in Richtung Badarmaturen, grüßt die graue Gestalt in der Reflektion auf Nasenhöhe und absolviert die extrensisch motivierte Katzenwäsche, die einem erlaubt, den Titel "Homo sapiens sapiens" im Namen zu führen. Im Falle der Erfüllung spezieller Kriterien versucht man sich zusätzlich an einer schmerzhaften Partialrasur mit einbezogener Stimulation der Gesichtsnerven oder beginnt, sein Zahnfleisch mit einem borstigen Plastikknüppel zu bearbeiten. Hat man ausnahmsweise Glück, so verbleibt anschließend genug Zeit, sich dem koffeeinhaltigen Heißgetränk möglicherweise südostanatolischer Herkunft hinzugeben. Zumeist wird diese Szene jedoch gestrichen. Schlussendlich hoppelt man - sprich "Ich" - aus der germanischen Wohngemeinschaft, stürzt im Tatendrang beinahe das Stufengewinde hinab und gelangt - was Wunder - zur rostverzierten, einladenden, hoffnungsgrünen Wunderkarosse namens "Dodge Intrepid".

In der Hoffnung auf eine geruhsame, entspannende, von populärer Musik untermalte Fahrt zur allseits bekannten Südstaaten-Bildungsstätte, wirft man den "sweet chariot" mitsamt FM-Receiver an und macht sich auf den wohlvertrauten Weg. Doch welche Enttäuschung muss der leidgeprüfte Mitteleuropäer hier erneut erfahren: Zwischen 8 und 9 Uhr morgens - ja, ich weiß ... nicht sehr studentisch - vermeiden "arkansische" und "tennessianische" Radiosender das Abspielen jeder Form musikalischer Unterhaltung. Zu dieser Stunde muss der geneigte Hörer auf Rock-Geröhre, HipHop-Gebrabbel und sogar auf das allseits geliebt Country-Gedudel zur Gänze verzichten. Als Substitutionsprodukt wird einem lupenreiner Talk mit Studiovollbesetzung einschließlich Werbepausen kredenzt. Während mehr als 60 Minuten wird ein Feuerwerk von Kalauern und Mega-Schenkelklopfern abgebrannt, das den Vergleich mit einem Buster Keaton Stummfilm bei Bildstörung nicht zu scheuen braucht. Besonders berührt war der Redakteur, als kürzlich ein "leicht" wortkarger Nachwuchsmusiker - O-Ton: "Yaw, yaw!" - interviewt wurde, dessen einziger Gefühlsausbruch zustande kam, als das Radioteam "völlig überraschend" seine Mutter am Telefon präsentierte, die - offensichtlich im Halbschlaf - unterwegs war, um einen neuen Job bei einem Optiker zu finden ... ... ... ja, ja, großes Tennis!

Nach derartigen Schocks auf der Wegstrecke, erscheint einem die Ankunft an der Arbeitsstelle jedesmal wie eine langverdiente Erlösung ... aber: "Rock 100.5 - That rocks!" ... Good morning America!
----------
"Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes - Was dies auch sein mag. Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen."
Vergil, Aeneis

0 Comments:

Post a Comment

<< Home