Tuesday, March 21, 2006

Spring Break

Hallo alle miteinander!
Schoene Gruesse aus Boston, Massachusetts, dem pochenden Herzen Neu Englands. Nach ca. dreistuendiger Zugfahrt habe ich die Puritaner-Siedlung gestern am fruehen Nachmittag erreicht und gebe meiner Spring-Break damit den gewissen "historischen Touch". Doch zunaechst zur Anreise und den ersten Tagen an der Ostkueste:
Am Freitag Mittag habe ich Jonesboro als Mitglied einer fuenfkoepfigen Reisegruppe mit Ziel Belmar, New Jersey, verlassen. Die anderen Opfer der 22-stuendigen Autofahrt ueber 1200 Meilen (fast 2000 km) und durch 10 Bundesstaaten waren Mariano aus Argentinien, Andrea aus Ecuador sowie Jennifer und Nick aus den Staaten. Wir haben unter beengten Verhaeltnissen Arkansas, Missouri, Illinois, Indiana, Kentucky, West Virginia, Maryland, Delaware, Pennsylvania und New Jersey durchfahren und dabei enorme Ausdauer bewiesen :-) Besonders interessant dabei: Unser Nesthaekchen Jennifer hat es als Autobesitzerin zu unserer grossen Ueberraschung strikt abgelehnt, ein anderes Mitglied der Crew fuer einen erwaehnenswerten Zeitraum ans Steuer zu lassen. Sie hat trotz unseres Widerspruchs und eines Streikversuchs den Isuzu ueber 22 Stunden quasi ununterbrochen gelenkt und uns alle damit in nicht zu unterschaetzende Gefahr gebracht. Ich kann nur erahnen, was sie waehrend der Pausen auf der Toilette "eingeworfen" hat und moechte aehnliches unter keinen Umstaenden nocheinmal erleben. Nach der Ankunft in New Jersey hat sie sich dann auch ob der Muedigkeit in eine Furie verwandelt und den anderen angedroht, Newark am naechsten Tag direkt wieder zu verlassen. Aber das war mir zu diesem Zeitpunkt bereits relativ egal, da man mich gut bei der Familie meines Cousins in Belmar an der Atlantikkueste abgesetzt hatte. Trotz der schlechten Laune besagter Jennifer, konnten die anderen aber noch die grosse Gastfreundschaft von Katharina, Marc und Akando geniessen, die nicht nur Pizza, Donuts und andere Staerkungen auftischten, sondern auch mit original bayerischem Weizen bereitstanden ... richtig guat! Nur schade, dass wir Andrea nicht gleich in Belmar lassen konnten, nachdem sie sich gleich auf Akando gestuerzt hatte, und Katharina ohnehin eine vertrauenswuerdige "Nanny" sucht ... kleiner Tipp: Vielleicht mal bei Fran Drescher durchklingeln ... die hat da Erfahrung.
Tja, das restliche Wochenende habe ich dann bei Raederers verbracht und bin richtig verwoehnt worden. Angefangen bei der schoenen Wohnung mit ueberwaeltigendem Meerblick, ueber den Strandspaziergang bei Point Pleasant bis zum gemeinsamen Kaesspatzenessen ... einfach eine Reise wert. Ach ja: Gepaddelt bin ich - wie ihr auf den Fotos sehen koennt - auch noch, und die Hauptattraktion war und ist natuerlich Akando. Versprochen: Das Stofftier wird nachgereicht!
Am Montag habe ich mich dann mit dem Nahverkehrszug nach New York City aufgemacht, um in Pennsylvania Station in einen Kuestenexpress nach Boston umzusteigen. Zuvor hatte ich aber noch Gelegenheit den Ground Zero zu besichtigen, auf dem die Bauarbeiten fuer die neuen Liberty Towers trotz unaufhoerlicher Diskussionen bereits begonnen haben. Kaum zu glauben, dass ich vor fast genau 12 Jahren hier eines der hoechsten Gebaeude der Welt betreten hatte. Die zerstoerten Twin Towers hinterlassen eine Luecke ... in jeder Hinsicht!
Boston hingegen ist noch komplett, und es ist wunderschoen und voller Tradition. Wenn man die Stadt am Charles River durchwandert, versteht man annaehernd warum der Rest der Vereinigten Staaten stets misstrauisch auf Neu England blickt, und liberale Praesidentschaftskandidaten aus der Region seit Jahrzehnten keine Chance mehr erhalten haben, ins Weisse Haus einzuziehen. Alles hier wirkt europaeischer, aufgeklaerter und weltoffener als in anderen Bundesstaaten oder Regionen. In ironischem Widerspruch zur Entstehungsgeschichte der Stadt hat man den Eindruck, dass die Religion hier und heute weniger Einfluss auf Politik und Gesellschaft entwickelt als irgendwo sonst in den USA. Vielleicht erklaert sich dies auch aus der vergleichsweise grossen katholischen Gemeinde, die die Gruendung protestantischer Sekten seit Mitte des 19. Jahrhunderts praegt. In jedem Fall wirkt die "Perle Neu Englands" angenehm weltoffen und liberal. Ein Vergleich mit den Suedstaaten verbietet sich und gleicht einer Gegenueberstellung De Sade's mit Calvin.
Nachdem ich bisher den Freedom-Trail und die Harvard University besichtigt habe, bleiben mir in den naechsten Tagen noch ausreichend Sehenswuerdigkeiten zum Zeitvertreib, ehe es am Donnerstag nocheinmal nach New York City geht. Ich werde euch weiter auf dem Laufenden halten!
Ach ja ... zum Abschluss noch mein aktuelles Portfolio aller Bundesstaaten, die ich bisher betreten habe (Ueberflug zaehlt nicht; Zwischenlandung zaehlt):
  1. Arizona ('05)
  2. Arkansas ('05 / '06)
  3. Connecticut ('06)
  4. Delaware ('94 / '06)
  5. Illinois ('06)
  6. Indiana ('06)
  7. Kalifornien ('05)
  8. Kansas ('05)
  9. Kentucky ('06)
  10. Maryland ('94 / '06)
  11. Massachusetts ('06)
  12. Missouri ('05 / '06)
  13. New Jersey ('94 / '06)
  14. New York ('94 / '06)
  15. North Carolina ('06)
  16. Pennsylvania ('94 / '06)
  17. Rhode Island ('06)
  18. Tennessee ('05 / '06)
  19. Virginia ('94)
  20. West Virginia ('06)

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"In a democracy private citizens see a man of their own rank in life who rises from that obscure position in a few years to riches and power; the spectacle excites their surprise and their envy. ... To attribute his rise to his talents and virtues is unpleasant, for it is tacitly to acknowledge that they are themselves less virtuous and less talented than he was. They are therefore led, and often rightly, to impute his success mainly to some of his vices; and an odious connection is thus formed between the ideas of turpitude and power, unworthiness and success, utility and dishonor."
Alexis de Tocqueville - "Democracy in America - Volume I"

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